Samstag, 30. Dezember 2017

Bewusste Zerstörung durch Restaurierung?

Der Khanspalast von Bakchissarai - derzeit Schauplatz einer
umstrittenen Restaurierung.
(Foto: R. Schreg 2008)
In der Ukraine werden Vorwürfe gegen die Restaurierungen am Khan-Palast in Bakchissarai auf der Krim laut. Im Kern geht es um die dringend notwendige Reparatur des Daches der Moschee, das vollständig abgerissen wurde und durch unqualifizierte Firmen neu aufgebaut werden soll. Zudem gbt es Planungen, große Teile der Anlage mit einem Stahlgerüst zu überdachen. Von ukrainischer wie von tatarischer Seite ist von bewusster Vernachlässigung oder gat Zerstörung der nicht-russischen Vergangenheit die Rede. Tatsächlich scheint es in der russischen Verwaltung einige Unklarheiten in der Finanzadministration der Restaurierungen zu geben.
Diese Berichte erwecken nicht den Eindruck einer objektiven Darstellung, eine Quelle zur russischen Perspektive ist mir jedoch nicht bekannt. So oder so zeigt sich hier erneut die Instrumentalisierung des Kulturerbes für aktuelle Politik.

Samstag, 23. Dezember 2017

MEMO - Eine neue OA-online-Zeitschrift zur materiellen Kultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit


Am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit erscheint neu das Open Access Online Journal MEMO | Medieval and Early Modern Material Culture Online.
Es widmet sich dem breiten interdisziplinären Forschungsfeld der materiellen Kultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Es beinhaltet neben der Publikation klassischer Forschungsbeiträge auch Aufsätze zu neuen Methoden und neuen Projekten. Die Beiträge unterliegen einer Qualitätskontrolle mittels einer Begutachtung. MEMO erscheint zweimal im Jahr, hinzu kommen Einzelbeiträge und Sonderbände.
Die erste Ausgabe ist im November 2017 erschienen und widmet sich dem Thema "Holz in der Vormoderne. Werk-Stoff, Wirk-Stoff, Kunst-Stoff" - DOI: 10.25536/2523-2932012017

Freitag, 22. Dezember 2017

Ritterspiele

Werner Meyer

Ritterturniere im Mittelalter
Lanzenstechen, Prunkgewänder, Festgelage

(Mainz am Rhein: Nünnerich-Asmus-Verlag 2017)

184 Seiten, 93 Abbildungen

ISBN 978-3-961760-08-4

24,90 €



Werner Meyer, der Altmeister der deutschsprachigen Burgenforschung, nimmt sich in dem schön ausgestatteten Band ein Thema vor, das eng mit unserem Bild des Mittelalters verbunden ist. Während Pest, Aberglaube und Raubrittertum in der Wahrnehmung für die dunkle Seite des Mittelalters stehen, so vertreten Ritter, Burg und Turnier die positive, jedenfalls romantische Sicht auf das Mittelalter. Meyer stellt die ganze Breite des Turnierwesens vor, untersucht seine Anfänge, seine soziale Bedeutung und die verschiedenen Ausprägungen. Eingangs stellt er klar, dass Ritter, Burg und Turnier keineswegs so eng aufeinander bezogen werden können, wie das unsere Idealvorstellung annimmt. Nicht alle Burgherren waren Ritter und nicht alle Ritter verfügten über eine Burg. Nicht alle Ritter durften an Turnieren teilnehmen, aber durchaus Adlige, die nie formal zum Ritter geschlagen wurden. Und schließlich fanden Turniere meist nicht in der Burg statt, sondern eher im Umfeld der Städte. “Als im 10./11. Jahrhundert die ersten Adelsburgen errichtet wurden, gibt es den ‘Ritterstand' mit seiner Standeskultur noch gar nicht“ (S. 13).

Insgesamt vermittelt Werner Meyer ein lebendiges Bild einer uns heute fremden Lebenswelt. Er zeigt das Turnier als Element der sozialen Praxis, das sowohl im Alltag als auch in den sozialen Netzwerken des Adels eine wichtige Rolle spielt. Dargestellt wird beispielsweise “die Gewaltbereitschaft im Mittelalter“ bei einer fehlenden effektiven staatlichen Kontrolle, das Verhältnis von “Turnier und Fehde“  und schließlich das Turnier im Rahmen der mittelalterlichen Spielkultur. Desweiteren behandelt Meyer Bedeutung und Symbolik des Turnierwesens, gibt einen Überblick über die Anlässe und die verschiedenen Formen des Turniers. Immer wieder wird deutlich, wie sich das Turnier in Abhängigkeit etwa von veränderten Kriegstechniken aber auch sozialen Entwicklungen verändert hat. Beispielsweise wurde eine immer wieder vorkommende Gewalteskalation im Umfeld von Turnieren im Lauf der Zeit immer stärker sanktioniert. Gleich im ersten Kapitel schildert der Autor die Entwicklung des Turniers von seinen Anfängen hin zur Standesrepräsentation im 13. Jahrhundert und weiter bis zum Niedergang im 14./15.Jahrhundert, als sich immer weniger Ritter das Turnieren leisten konnten und es in der Folge immer mehr an die Fürstenhöfe gezogen wurde.

Drei ausgewählte Turnierberichte, die Meyer in Kapitel 2/ Drei Turbierberichte (Unsinnigerweise dienen die Kapitelnummern im Band als Querverweise, obwohl sie weder in den Kapitelüberschriften noch im Inhaltsverzeichnis aufgeführt sind) heranzieht, erlauben es, den Ablauf von Turnieren sehr anschaulich nachzuvollziehen. Die Quellentexte werden indes nur auszugsweise zitiert. Im Literaturverzeichns finden sich die klassischen Druckeditionen zitiert, doch stehen die Texte in verschiedener Form auch online:

Ulrich von Liechtenstein: Codex Manesse, 1305-1315
UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 237r, Herr Ulrich von Liechtenstein
(via WikimediaCommons)

Zur Anschaulichkeit des Buches tragen die vielen Abbildungen aber auch zahlreiche Zitate aus zeitgenössischen Quellen bei. Archäologische Funde spielen dabei eine untergeordnete Rolle, mehrheitlich werden bildliche Quellen sowie obertägig erhaltene Objekte gezeigt. Nur 7 der 93 Abbildung repräsentieren archäologische Funde. So kann der Band auch dazu herangezogen werden, einmal mehr über die Rolle der Archäologie des Mittelalters nachzudenken.
In seinem Text verweist Werner Meyer ganz selbstverständlich immer wieder auch auf archäologische Funde, etwa, wenn es darum geht, zu zeigen, dass bestimmte Praktiken verbreitet waren. Die häufigen Funde von Würfeln auf Burgen sind so ein Beleg dafür, dass das Spielen Teil des Alltags auf Burgen war (S. 39). Im Falle der Armbrustbolzen konstatiert Meyer, dass "die häufigen Funde von Pfeileisen auf Burgen - die nicht von Belagerungen stammen können - (...) die große Bedeutung der Armbrust für die adlige Oberschicht (belegen)" (S. 40). Beide Aussagen beruhen auf einer Klassifikation der Funde mit einer bestimmten Funktionsgruppe (Würfel, Armbrust), die dann eine Kontextualisierung mittels der schriftlichen Quellen ermöglicht. Im Falle der Armbrust beispielsweise zeigt die Gegenüberstellung mit Schriftquellen, dass das dort immer wieder zu findende Verurteilung von Fernwaffen als unritterliche und das Ideal des Kampfes Mann gegen Mann in der Realität keine besondere Bedeutung gehabt haben kann.
Die Klassifikation von Fundobjekten erlaubt also eine Kontrastierung mit den Aussagen der Schriftquellen und gibt so nicht nur eine bessere Einschätzung der Rolle materieller Kultur im Alltag, sondern gibt aus den Widersprüchen mit der schriftlichen/ literarischen Überlieferung heraus auch Einblicke in die tatsächlichen Wertesysteme.
Nur relativ selten skann Meyer konkrete archäologische Funde für seine kulturgeschichtliche Darstellung  heranziehen. Zu nennen sind zum Beispiel die Topfhelme von der Burg Madeln bei Pratteln (Kanton Basel-Landschaft), die 1940 bei leider nicht ganz sachgemäßen Ausgrabungen gefunden wurden: http://www.archaeologie.bl.ch/Pages/Funde/topfhelme_pratteln.html. Die Burg war bei dem großen Basler Erdbeben von 1356 zerstört worden und die Helme fandn sich unter dem Versturz einer Mauer. Nur dieser außergewöhnliche Umstand habe dazu geführt, dass die beiden Helme erhalten geblieben sind. So kennen wir die Austattung der Ritter des 14. Jahrhunderts vor allem aus bildlichen Quellen. Rüstungen und Waffen, die sich in Rüstkammern erhalten haben, sind in der Regel deutlich jünger. Wichtig an den Helmen aus Pratteln sind jedoch die Gebrauchs- und Reparatuspuren, die zeigen, dass und sogar wie sie im Kampf eingesetzt wurden. Einer der Helme weist an der Schläfe den Abdruck einer dreispitzigen Turnierlanze auf (Abb. S. 89).

Ein wesentlicher Beitrag der Archäologie scheint indes an anderer Stelle präsent zu sein. Hier geht es nicht um konkrete Funde, sondern um Fragestellungen und Betrachtungsweisen, die typisch archäologisch sind. In Kapitel 9 "Jenseitsvorstellungen und Ahnenverehrung im Turnierbrauchtum" skizziert Meyer mögliche Hintergründe des Turnierwesens in frühmittelalterlichem Begräbnisritualen und Jenseitsvorstellungen. Er argumentiert damit, das einzelne Elemente des Turniers in ähnlcher Form in den Schriftquellen im Kontext von Begräbnisritualen genannt werden - so z. B. der buhurt , der im 13. Jahrhundert allgemein Kampfspiele bedeutet, ursprünglich aber als Kreisreiten aufzufassen ist, wie es literarisch für die Begräbnisse des Beowulf und des Attila geschildert wird. Ergänzt sei hier, dass die rund um das Grab des Chlodwig in Tournai nachgewiesenen Pferdekörper vielleicht auch mit solch einem Ritual zusammen hängen. Desweiteren betrachtet Meyer die Lokalität von Turnieren und vermerkt dabei, dass sich oft ein Bezug von Turnierplatz und Begräbnistätte erkennen lässst. Auch die große Bedeutung der Wappen bei den Turnieren deutet nach Meyer in Richtung Jenseitsvorstellungen. Mit seiner heraldischen Maskierung werde nicht die Identität des Kämpfers dargestellt, sondern die seiner Familie. Der Kämpfer verliere vielmehr seine individuelle Identität und werde zum Vertreter seiner Ahnen. Meyer bietet mit diesen Anmerkungen eine Grundlage für einen interdisziplinären Diskurs. Wenn er dabei auch kaum mit archäologischen Funden argumentiert, so dürfte doch sein langjähriger archäologischer Hintergrund entscheidenden Anteil an dieser Perspektive haben:        

Der Band bietet so einen bemerkenswerten interdisziplinären Blick auf das Phänomen der Ritterturniere. Er wird zu Recht großes Interesse bei Fachleuten und Mittelalter-Fans finden. Dass der Band ohne Fotos von modernen Ritterspektakeln und ohne Reenactment auskommt, sei besoders angemerkt.Obgleich der Band sehr anschaulich ist, geht es ihm nicht um die oberflächliche Rekonstruktion der Ritterrüstungen, sondern sehr viel tiefer gehender und Gewinn bringender um die Ritterturniere als ein soziales Phänomen.


Inhaltsverzeichnis

    • Glossar
    1. Ritter, Burgen und Turniere - ein Überblick
    2. Drei Turnierberichte
    3. die Gewaltbereitschaft im Mittelalter
    4. Turnier und Fehde
    5.  Bemerkungen zur spätmittelalterlichen Spielkultur
    6. Turniere im Jahresablauf
    7. Schwertleite, cirocinium und Ritterschlag
    8. Ursprünge und Anfänge
    9. Jenseitsvorstellungen und Ahnenverehrung im Turnierbrauchtum
    10. König Artus und seine Tafelritter an Turnieren
    11. Frauen an Turnieren
    12. Waffen - Bedeutung, Gebrauch und Entwicklung
    13. Turnei, Turniere und cornecimentum
    14. Tjost, hastiludium, stechen und rennen
    15. Der buhurt
    16. Quintanreiten und Ringstechen
    17. Sonderformen, vom Fotrstspiel zum Gralsturnier
    18. Das Turnier als Fest
    19. Helfer, Diener und Begleiter
    20. Verletzungen und Todesfälle
    21. Turnierkritik und Turnierverbote
    22. Kinderspiel und Waffentraining
    23. Der Zweikampf
    24. Der Schaukampf von 1428 in Basel
    25. Turniergesellschaften im Spätmittelalter
    26. Ausklang und Weiterentwicklung

    Dienstag, 12. Dezember 2017

    Wahl des Wissenschaftsblogs 2017

    Seit einigen Jahren ruft Reiner Korbmann (Wissenschaft kommuniziert) zur Wahl des Wissenschaftsblog des Jahres auf. Er benennt dabei zwei Ziele:
    • Erstens die besten und populärsten herausstellen,
    • und zweitens interessante Beispiele zeigen, wie jeder Forscher, jedes Institut, jeder Verantwortliche seine Informationen in die Öffentlichkeit des Internets bringen, seine Perspektive darstellen kann.
    Anfang 2016 wurde Archaeologik zum Wissenschaftsblog des Jahres 2015 gewählt, Anfang 2017 hat es der Pfahlbauten-Blog auf Platz 3 geschafft. Beide sind wieder zur Wahl nominiert, aus dem thematischen Umfeld von Archaeologik aber auch noch Denkmale und Mittelalter unter dem Dach von SciLogs bzw. hypotheses. Insgesamt dominieren aber die Naturwissenschaften mit den Themen Klima und Astrologie die Liste der Nominierten, zur Wahl stehenden Blogs. Die Zahl der archäologischen und historischen Blogs, von denen viele allerdings auch nach nur relativ kurze Zeit wieder verschwinden oder inaktiv werden, wächst nur langsam. Blogs sind aber gerade auch für die Archäologie, wie allgemeiner für die Geistes- und Kulturwissenschaften ein wichtiges Medium, ihre Anliegen in die Gesellschaft zu tragen und in eine Kommunikation einzutreten. In Zeiten zunehmender fake-News und Intoleranz ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der eigenen, wie mit fremder Geschichte und Kultur jedoch grundlegend, um eine lebenswerte Gesellschaft zu erhalten oder zu schaffen. 
    Ein gutes Abschneiden der geistes- und kulturwissenschaftlichen Blogs - wie zum Beispiel Archaeologik ;-) - wäre eine kleine Motivation, in dieser Richtung weiter zu gehen.



    Abstimmen kan man bis zum 1.1.2018!




    Interner Link

    Sonntag, 10. Dezember 2017

    Nikolaus - nicht auf dem Weihnachts- sondern auf dem Antikenmarkt

    Eine Kirchengemeinde in den USA hat Reliquien von St. Nikolaus via ebay erworben - im Lot mit anderen Heiligen. Der Unterkiefer von "Nikolaus" wurde 14C-datiert und stammt tatsächlich aus dem 4. Jahrhundert. Natürlich lebten damals auch noch andere Menschen außer Nikolaus... Dass Reliquien vermarktet werden, hat auch schon lange zurück reichende Traditionen und ist fast schon selbst Kulturgut. Der vorliegende Fall ist aber insofern beachtenswert, weil er den sorglosen Umgang mit Provenienzen zeigt - nicht zuletzt bei ebay. 

    Mittwoch, 6. Dezember 2017

    Immobilienirrsinn & Flächenverbrauch

    Das betrifft auch die Archäologie, wobei eine Nachverdichtung in den Orts- und Stadtkernen nicht minder interessante archäologische Quellen zur Siedlungsgeschichte gefährdet und entsprechende denkmalpflegerische Maßnahmen erfordert, die auch sicher stellen müssen, dass eine Verknüpfung mit dem vorhandenen Baubestand möglich ist.

    Sonntag, 3. Dezember 2017

    Advent, Advent...

    Eine geruhsame Vorweihnachtszeit!

    und zur richtigen Einstimmung das Archaeologik-Weihnachtsgedicht: 



    Text: Rainer Schreg/ Brigitte Schreg, Sprecher: Axel Weiss (Besten Dank!!)
    Dezember 2015


    Freitag, 1. Dezember 2017

    Alles vorbei? - Kulturgut in Syrien und Irak (Oktober/ November 2017)

    Bereits im Oktober ist die Zahl der Pressemeldungen zu den Kulturgütern in Syrien und Irak merklich zurückgegangen - wohl unter dem Eindruck, Daesh sei weitgehend besiegt und das Problem sei damit erledigt.
    Diese Sicht übersieht allerdings zweierlei: Zum einen waren Daesh nie allein die Übeltäter. Plünderungen und Beschädigungen gab und gibt es wohl bei allen Kriegsparteien. Das besondere an Daesh war, dass hier Kulturgüter mit politischer Absicht zerstört wurden, aus Hass gegen Traditionen, die der eigenen Herrschaftsansprüchen und Weltsicht widerprechen. An Daesh wurde zudem gezeigt (was man freilich bereits vor Jahren auch für die Taliban in Afghanistan zeigen konnte), wie der Antikenhandel mit der Terrorfinanzierung verknüpft ist.
    Zur Diskussion um die Terrorfinanzierung:
    Zum anderen sind die geplünderten Objekte bisher nur zu geringem Teil auf dem Antikenmarkt aufgetaucht. Zwar konnte anhand der offiziellen Importe in die USA ein leichtes Ansteigen bei Objekten aus der Krisenregion festgestellt werden (siehe Archaeologik 3.10.2016), doch scheint dies - völlig empirisch betrachtet - nur ein Bruchteil dessen zu sein, was aus den Abertausenden von Raubgrabungslöchern, die in Luftbildern deutlich zu erkennen sind, stammen muss. Es ist anzunehmen, dass Daesh und die anderen Gruppen bzw. die eigentlichen Raubgräber, die Daesh besteuert hat, zunächst an Zwischenhändler verkauft haben. Diese benötigen vor allem Zeit, um die Funde allmählich mit passenden Dokumenten und Legenden in den Markt einzuspeisen und diese formal zu legalisieren. Es wird also noch Jahrzehnte dauern, ehe die Raubgrabungsfunde einmal irgendwo öffentlich sichtbar werden.
    Wahrscheinlich muss man hier auch unterscheiden zwischen dem Handel mit den alltäglichen Kleinfunden und jenem mit den "besseren", teureren Objekten, der sicherlich deutlich professioneller organisiert ist.  Das Journalistenteam Tarek Khello und Christian Werner zeigte gestützt auf Zeugenaussagen von Raubgräbern und Händlern in einem Beitrag des MDR die Handelswege von Raubgrabungsfunden aus Syrien nach Deutschland auf:
    Daesh kassiert nach diesen Aussagen die Raubgräber und Händler vor Ort ab. Bemerkenswert ist auch der Hinweis, dass gefälschte Papiere zur Legalisierung in Deutschland produziert werden.


    Thematisiert wurde im November in den Medien die Rolle von ebay, amazon und facebook, die ihrer Verantwortung nicht nachkämen, solch illegalen Handel zu unterbinden - wobei allerdings der Anteil der Fälschungen im Angebot sehr hoch sei.
     
    In einem Daesh-Versteck wurden in Syrien zwei palmyrenische Grabreliefs sicher gestellt:

    Schadensmeldungen


    Allgemeine Meldungen



    Engagement 

    Unterstützung von Kollegen
    über die Irakische Archäologien Layla Salih
    A day for Mosul in Prag
    Ungarische Arbeiten vor Ort

    Wiederaufbau

    Todesurteil gegen Mosul-Zerstörer

    Die irakische Presse berichtet von einem Todesurteil  gegen einen Angehörigen von Daesh, unter anderem wegen seiner Beteiligung an den Zerstörungen im Museum von Mosul. So begrüßenswert es ist, dass jemand für die Zerstörungen in einem Prozeß zur Verantwortung gezogen wird, so unangemessen ist hier, wie generell, die Todesstrafe.


    In eigener Sache

    Mit diesem Bericht blicken wir auf zwei Monate zurück und durchbrechen damit erstmals den monatlichen Rhythmus der einschlägigen Blogposts auf Archaeologik. Neben dem Rückgang der Meldungen, spielt dabei auch eine Rolle, dass anstehende berufliche Veränderungen meinerseits derzeit eine andere Prioritätensetzung erfordern. Wahrscheinlich gehe ich mit den Blogposts zu Syrien und Irak nun generell zu einem längeren Zyklus über.

    Links

    frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

    Dank an diverse Kollegen für Hinweise.

    Freitag, 24. November 2017

    Ruralia auf facebook

    Ruralia ist ein internationaler Verein für die Archäologie der bäuerlichen Lebenswelt des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Seine Hauptaktivität ist die im Zweijahresturnus stattfindende Konferenz, die die Grundlage für eine Publikationsserie bietet, die mittlerweile elf Bände umfasst.

    Link


    Interne Links 

    Donnerstag, 23. November 2017

    "Von der Rolle" - Über Frauendarstellungen und Mannsbilder in der Archäologie

    Jana Esther Fries, Doris Gutsmiedl-Schümann, Jo Zalea Matias, Ulrike Rambuscheck (Hrsg.)

    Images of the Past
    Gender and its Representations

    Frauen – Forschung – Archäologie, Band 12
    (Münster: Waxmann 2017)
     228 Seiten, br., mit farbigen Abbildungen
     
    29,90 €, ISBN 978-3-8309-3709-8
    E-Book: 26,99 €, ISBN 978-3-8309-8709-3



    Rezension von Miriam Steinborn

    In der Reihe Frauen – Forschung – Archäologie ist der 12. Band „Images of the Past. Gender and its Representations“ erschienen, der auf Tagungssessions auf der EAA 2014 unter dem selben Titel sowie der AG Geschlechterforschung 2013 mit dem Thema „Gender in Museums“ basiert. Dieses Buch handelt auf seinen knapp 200 Seiten vorwiegend von Frauenbildern und den Gründen, warum sie dargestellt werden, wie sie dargestellt sind. Es sind dabei nicht nur die Bilder, die in Texten suggeriert werden, sondern vielmehr optische Illustrationen, in denen Rollenbilder oftmals unreflektiert abgebildet und rezipiert werden. Sie tragen wesentlich zur Vorstellung von Forschenden und Laien bei, wie die Lebensumstände in der Vergangenheit waren. Der Band in englischer und deutscher Sprache behandelt damit ein epistemologisches Kernthema der Frauen- und Geschlechterforschung, nämlich welche modernen Vorstellungen auf die vergangenen sozialen Verhältnisse projiziert werden.

    Im ersten Teil des Buches stehen die Idee geschlechtsspezifischer Eigenschaften, ihre Darstellung und mögliche Gründe dafür im Fokus. Spannend wird dies im Hinblick auf die Medien, die behandelt werden: Neben archäologischen Publikationen werden auch Inhalte von Jugendsachbüchern und „neuen“ Medien untersucht.
    Die ersten beiden Beiträge hinterfragen den Umgang der Forschenden mit ihrem Verständnis vergangener Rollenbilder und die Folgen für die Kommunikation der Forschungsinhalte. C. Belard stellt in diesem Zusammenhang Darstelllungen auf eisenzeitlichen Objekten vor, die vermeintlich festgeschriebene Rollenverteilungen relativieren, während C. Trémeaud die Praxis ankreidet, wissenschaftliche Inhalte durch attraktive, gar sexualisierte Frauendarstellungen zu bewerben.
    Mit den Bereichen von Fernsehen und Computerspielen werden dagegen weniger traditionelle Felder der Präsentation archäologischer Inhalte beschritten: G. Koch beschreibt in seinem Beitrag in einem Rückblick über 30 Jahre Fernsehgeschichte, wie in der medialen Präsentation populärwissenschaftlicher Inhalte auch gesellschaftliche und politische Vorstellungen an ein breites Publikum vermittelt werden. Anhand von Dokumentationen über pleistozäne Menschen führt er aus, wie traditionalistische stereotype Vorstellungen vermittelt werden, die eine natürliche soziale Ordnung mit dichotomen Rollenbild und heteronormativen Familienkonzept suggerieren – auch wenn dies in vielen Bereichen nicht mehr der akademischen Forschungsmeinung entspricht.
    Relativ neu im archäologischen Fachdiskurs und voll in der aktuellen Diskussion der Medienwissenschaften ist R. Sycamores Beitrag über die Darstellungen von (archäologischen) Protagonistinnen in Computerspielen, die niedrigschwellig ein sehr großes Publikum erreichen. Sie analysiert die Relevanz weiblicher Charaktere im Gameplay und ihre visuelle Darstellung und stellt sie den männlichen Darstellungen gegenüber. Für die archäologische Vermittlung ist dies insofern relevant, als dass die Spielenden durch die Charaktere die „fictionalised visions of ancient society“ in einer realistisch scheinenden Kulisse (S. 95) erleben. Wie bei Bildern oder Videosequenzen ist es in ihrer Betrachtung ohne Hintergrundwissen kaum möglich, die künstlerischen Freiheiten von der archäologischen Datengrundlage zu trennen.
    Auch die Darstellung vergangener gesellschaftlicher Verhältnisse in Jugendsachbüchern wird kritisch beleuchtet, weil ihnen Objektivität und Bildungscharakter zugeschrieben wird. K. Fält setzt sich hier mit der Wiedergabe von Männern im Mittelalter, insbesondere von Rittern und Wikingern, auseinander, in deren Fokus die körperliche Leistungsfähigkeit im Kampf und meist überwiegend männliche Gemeinschaften stehen – Männer, die Geschichte machten. Diese Idee historischer Lebenswelten wird recht früh in den Köpfen der Kinder und Jugendlichen angelegt, und umso wichtiger sollte es sein hier sorgfältig auf die Bilder zu achten, die erzeugt werden.

    Der zweite Teil des Buches umfasst einige Beiträge der AG Geschlechterforschung-Session 2013 und widmet sich Darstellungen in Museen als grundlegende Kommunikationsfläche der Altertumsforschung. L. Prados Torreira und C. López Ruiz beobachten, dass in Spanien bisher kaum geschlechtergerechte Schauen eröffnet wurden, obwohl Frauen hier seit langem Ausstellungsmacherinnen sind. Sie sehen das darin begründet, dass Museen oft den historischen Diskursen folgen, in denen Männer gestaltende Kräfte sind. Sie betonen, dass die gesellschaftliche Aufgabe der Museen eigentlich darin liege, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen und stellen Möglichkeiten vor, wie dies zu erreichen wäre. Weitere Beiträge umfassen konkret die Präsentationen sowie die Kulturschaffenden dahinter im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, dem Landesmuseum Württemberg, dem Museum im Deutschhof in Heilbronn und dem paläon - Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere. Neben dem Schwerpunkt der ausgewogenen Darstellung männlicher und weiblicher Akteure werden auch Visualisierungen anderer sozialarchäologische Themendarstellungen angerissen, wie Alter, Kindheit und gesellschaftliche Stellung. 

    Insgesamt erfüllt „Images of the Past. Gender and its Representations“ das Anliegen des Vereins FemArc und damit der Herausgeberinnen der Reihe Frauen – Forschung – Archäologie, da die Inhalte von Frauenforschung, feministischer Archäologie und Geschlechterforschung vertreten sind. Die Beiträge konzentrieren sich mehrheitlich auf Frauendarstellungen und wurden überwiegend von Forscherinnen verfasst - nur einer entstammt der Feder eines Mannes.
    Man kann dies als gerechtfertigte Kompensation der nachhaltigen narrativen Wirkung des forschungshistorischen Androzentrismus auffassen. Es stimmt indes im Hinblick der Forderung einer geschlechtersensiblen Forschung auch nachdenklich, denn in dem gesamt sehr feminin gehaltenen Buch werden Themenaspekte der Maskulinität überwiegend als Kontrastpunkt oder kritisierte Praxis genannt. Dies erfordert bei den männlichen Lesern unter Umständen ein gewisses Maß an disziplinierter Objektivität. Dennoch sollte man(n) sich davon nicht demotivieren lassen: Zwar werden zum Großteil Frauenrollen behandelt, doch im Kern geht es um eine geschlechterbewusste, differenzierte Sicht auf biologisches und kulturelles Geschlecht, die Erforschung sozialer Praxis in der Vergangenheit, eine Revision der Idee traditioneller Arbeits- und Rollenverteilung und damit um die Frage, wie man sich der gewesenen Realität wissenschaftlich unvoreingenommen nähert und stereotype Narrative überwindet. L. Prados Torreira und C. López Ruiz fassen die thematische Relevanz treffend zusammen (S. 128): „gender studies perspective (…) is essential to understand our past from an inclusive perspection, and it is crucial to achieve equal education.“ 

    Als derzeit aktueller gesellschaftlicher Diskurs sollte die Darstellungsthematik in das Tagesgeschäft der Wissenschaftskommunikation integriert werden. Dieses Buch bietet einen guten Einstieg für Gelehrte der Altertumskunde und Kulturschaffende, sich in übersichtlichen Beiträgen den gender-studies zu nähern. Die Artikel greifen durchaus theoretische Debatten auf und nennen grundlegende weiterführende Literatur, bleiben aber in Text und Abbildungen sehr konkret und praxisbezogen.

    Dienstag, 21. November 2017

    Erstmals Tübinger Förderpreis für Historische Archäologie ausgeschrieben

    In diesem Semester wird zum ersten Mal der Tübinger Förderpreis für Historische Archäologie ausgeschrieben. Durch den Preis soll der wissenschaftliche Nachwuchs insbesondere in der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit gefördert werden.

    (Foto: R. Schreg/RGZM)

    Er wurde gestiftet von Prof. Dr. Dr. h. c. Barbara Scholkmann, bis 2007 Inhaberin der Professur für Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen. Verliehen wird er von der Abteilung Archäologie des Mittelalters des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters zusammen mit dem Verein zur Förderung der Archäologie des Mittelalters Schloss Hohentübingen.



    Der
    Verein zur Förderung der Archäologie des Mittelalters Schloss Hohentübingen und
     die Abteilung Archäologie des Mittelalters des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen 
    verleihen zum ersten Mal den *Tübinger Nachwuchsförderpreis für Historische Archäologie.
    Ausgezeichnet werden herausragende und innovative Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Historischen Archäologie, die einen erkennbaren Forschungsfortschritt angestoßen haben. Eingereicht werden können Studienabschlussarbeiten (Dissertationen und Masterarbeiten, ggf. Bachelorarbeiten) mit einer Bewertung von mindestens magna cum laude, bzw. Abschlussnote 1,3 sowie Publikationen der letzten 5 Jahre. 
    Vorschläge können von Hochschullehrern und promovierten Fachwissenschaftlern eingereicht werden, im Falle von Studienabschlussarbeiten sind auch Selbstbewerbungen möglich.
    Die Preissumme beträgt 2 000 Euro. Der Preis kann geteilt werden. 
    Die Bewerbungsfrist endet am 28.02. 2018. 
    Die Bewerbungsunterlagen müssen enthalten: 
    - Begründung des Vorschlags für den Preis bzw. Begründung des Bewerbers/der Bewerberin, warum er/sie seine/ihre Arbeit für preiswürdig hält. 
    - Masterzeugnis bzw. Promotionsurkunde 
    - Curriculum Vitae 
    - Zusammenfassung der Arbeit von max. 20 Seiten 
     - Nachweise über den Impact der Arbeit auf die Forschung (bei Nicht-Abschlussarbeiten) 
    Bewerbungen müssen in digitaler Form an die folgende Adresse eingereicht werden: archmatue@gmx.de


    Link (Nachtrag 29.11.2017)




    Donnerstag, 16. November 2017

    Die Ehre des Antikenhändlers

    Begonnen hat alles mit einer Verkehrskontrolle, bei der der Polizei ein byzantinisches Öllämpchen verdächtig vorkam. Gefunden wurde es im Auto des Kunsthändlers Ali Aboutaam, der zusammen mit seinem Bruder Hicham zu den bedeutendsten Antikenhändlern gehört. Sie führen die Phoenix Ancient Art Gallerie mit Sitz in Genf und New York.
    Die Behörden stießen bei den folgenden Ermittlungen in Genf auf ein Depot von antiken Funden, deren Wert auf 50 Millionen Schweizer Franken geschätzt wurde. Kurz darauf versuchten Ali Aboutaam, seine Frau und sein Fahrer, Objekte aus dem Lager "an einen sicheren Ort" zu bringen - und wurden dabei von Überwachungskameras gefilmt.
    Gebäude des Genfer Freihafens
    (Foto: MHM55 [CC BY SA4.0] via WikimediaCommons)

    Alis Ehefrau und Chauffeur wurden nach der misglückten Räumung verhaftet  und - was Ali heute betont - erst frei gelassen, als er auf eine Revision gegen ein Gerichtsurteil verzichtet habe, das Ihn zur Rückgabe eines antiken Sarkophags an die Türkei gezwungen hat. Schon 2010 waren im Freihafen von Genf drei antike Sarkophage vom Zoll sicher gestellt worden. 2014 wurden zwei nach Gerichtsverhandlungen dem Händler zugesprochen, einer aber musste nach einem Fachgutachten, das die Herstellungsregion recht genau bei Antalya lokalisieren konnte, an die Türkei zurück gegeben werden, was auch öffentlichkeitswirksam im Juni 2017 geschah. Als Provenienz des Sarkophages wurde Sleiman Aboutaam, der Vater der beiden Brüder Ali und Hicham angeführt, der 1968 die heute in Genf und Manhattan ansässige Phoenix Ancient Art Gallerie gegründet hatte. Sleiman Aboutaam ist bei dem Absturz des SwissAir Fluges SR111 im September 1998 umgekommen (wikipedia mit Gerüchten um die angebliche Fracht von Gold und Diamanten an Bord dieses Flugs).
    In der Vergangenheit waren beide Brüder bereits in Fälle verwickelt, bei denen der Verdacht der Antikenhehlerei im Raum stand:
    2004 gab Hicham Aboutaam vor Gericht sogar zu, Papiere gefälscht zu haben, die die Provenienz eines antiken silbernen Greifengefäßes aus dem Iran verschleierten und stattdessen eine Herkunft aus Syrien  belegen sollten, woher damals Importe in die USA einfacher zu bewerkstelligen waren.
    Die Brüder weisen solche Anschuldigungen in einem Artikel von LeTemps weit von sich. In diesem wie in früheren Fällen gab Hicham Aboutaam stets an, nichts mit den kriminellen Aktivitäten zu tun zu haben, sondern nur im Dienste seiner Kunden gehandelt zu haben. Ermittlungen gegen Ali Aboutaam in Ägypten - und ein inzwischen wieder aufgehobenes Urteil zu 15 Jahre Gefängnis - seien auf Betreiben neidischer Konkurrenz zustande gekommen. 2009 war Ali Aboutaam in Bulgarien wegen eines von Ägypten veranlassten internationalen Haftbefehls festgenommen, aber mangels Auslieferungsvertrag zwischen den Staaten freigelassen worden.

    Gegenüber Le Temps betont Ali Aboutaam, dass die Tatsache, dass sich unter den in Genf sicher gestellten Objekten auch eine unrestaurierte Statue aus Syrien oder dem Irak befindet, nichts beweise, denn das sei seit 20 Jahren ein Trend des Marktes."

    Der in New York ansässige Bruder  Hicham Aboutaam wehrt sich unterdessen gerichtlich, mit Antikenhehlerei und Terrorfinanzierung in Verbindung gebracht zu werden.Er geht gerichtlich gegen das Wall Street Journal vor, das im Mai 2017 darüber berichtet hatte, dass Schweizer Behörden nach dem Fund eines antiken Öllämpchens Ermittlungen aufgenommen haben.
    In der Klageschrift gegen das Wall Street Journal, das diesen Verdacht schon im Mai 2017 ausgesprochen hatte, betont Hicham Aboutaam, nie in den Handel mit geplündertem Kulturgut involviert gewesen zu sein und betont seine Integrität.  Durch den Artikel, der über die Ermittlungen schweizer, französischer, belgischer und US-amerikanischer Behörden und einen Zusammenhang mit der Terrorfinanzierung berichtet habe, sei seine Reputation geschädigt, da daraufhin das Toledo Museum of Art eine Spende von 50.000$ zurück gewiesen hätte.
    Interessanterweise bleibt im Bestreben, die eigene Lauterkeit darzustellen ein Fall unerwähnt, bei dem Hicham Aboutaam bei der Wiederauffindung einer sumerischen Statue geholfen hat, die während des Irak-Kriegs aus dem Nationalmuseum in Bagdad gestohlen wurde.

    Literaturhinweis

    • Amineddoleh, Leila Alexandra, Phoenix Ancient Art and the Aboutaams in Hot Water Again (2009). Spring 2009, Vol. I, Issue No. V Art & Cultural Heritage Law Newsletter of the Art & Cultural Heritage Law Committee of the ABA Section of International Law. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=2370731

    Montag, 13. November 2017

    A decapitated Persian warrior

    Recently an article in the New York Times reported of a police raid at the European Fine Art Fair (TEFAF) in New York last week:
    The European Fine Art Fair at the Park Avenue Armory is an elegant event during which wealthy collectors browse through booths of stunning art pieces, from ancient sculptures to works by early 20th-century masters.
    So it raised a few eyebrows on Friday afternoon when two prosecutors and three police officers marched into the armory at 2 p.m. with stern expressions and a search warrant, witnesses said.
    A few minutes later, cursing could be heard coming from a London dealer’s booth, breaking the quiet, reverential atmosphere.
    On order of New York prosecuting attorney Cyrus Vance jr., the police seized the ancient Persian relief of a warrior, which has been illegaly exported from Persia todays Iran. 

    According to TEFAF New York Fall, the Rupert Wace Ancient Art in London  is "one of the top dealers in the field". Among their clients is the British Museum, the Louvre in Paris, the Metropolitan Museum of Art in New York, the Museum of Fine Arts in Boston, the Antiken Museum Basel and "the Staatliche Museum, Munich".
    The piece is well known to scientists, as it is part of the famous Apadana reliefs from Achaemenid site of Persepolis. In the past, the object was repeatedly discussed in the Art Crime Blog.

    Excavation and restoration at Persepolis

    The provenience of the relief is well known with only some gaps. 1935 it was still in the Apadana palace in Persepolis. It was excavated in 1930 and part of a restoration program in 1933.
    Photographs freely available in the web, taken in the early 1930s show the now seized warrior as part of a balustrade close to the eastern stairs of Apadana palace in Persepolis. One of the pictures even shows its restauration in 1933.

    Relief during restoration in 1933. The now seized warrior can be seen on the left of the wooden blank.
    (picture: Courtesy of The Oriental Institute der University of Chicago, Photo 61379/ Neg.Nr. 41057
    https://oi-idb.uchicago.edu/id/f8395971-9cba-42c1-807e-90e2d11e52f4)


    The eastern stairs at the Apadana palace in Persepolis 1933.
    Within the relief the now seized warrior is situated leftof the dark hole.
    (Foto: Courtesy of The Oriental Institute der University of Chicago, Photo 23188/ Neg.Nr. 12822
    https://oi-idb.uchicago.edu/id/bec348b2-7e3c-49fd-8fd6-e9f057c92c4e)

    High resolution pictures, kindly provided by the Oriental Institute of the University of Chicago allow us to compare the damages in detail and to verify the identification. Speculation, the relief could be a fake, is surely wrong (http://paul-barford.blogspot.de/2017/10/us-court-suspends-auction-of-ancient.html).


    detail of previous picture
    (Courtesy of the Oriental Institute of the University of Chicago)
    detail of previous picture
    (Courtesy of the Oriental Institute of the University of Chicago)

    Achaemenid relief of guard in Montreal Museum of Fine Arts
    (picture: press release The Globe and Mail  via Wikipedia)

    More detailed photographs of the seized relief:

    The first robbery

    As provenience of the relief TEFAF refers to the Canadian millionaire and collector Frederick Cleveland Morgan (wikipedia), who gifted the piece to the Montreal Museum of Fine Art in 1950. Cleveland Morgan was a volunteer curator at the museum and contributed more than 7000 objects to its collection. The first robbery has to be dated therefore between 1933 and 1950. Pictures from later restoration in the late 1960/early 1970s show a rectangular gap, where the relief has been sawn out probably by a machine. Currently the original location is not open to the public.
    As the export of antiquities was forbidden in Persia since 1930 the export of the relief has to be illegal, if there are no officialpapers available.
    It is interesting to see, that Frederick Cleveland Morgan maintained good contacts with Arthur Upham Pope (wikipedia), who was a renowned expert of Persian Art and deeply involved in the trade with Persepolis reliefs in the early 1930s.

    Paul Barford illustrates how the relief has probably been cut out of the wall.In fact, pictures of a restoration in the late 1960s/early 70s show rectangular cuts instead of the missing piece.

    The second robbery

    During the opening hours at 3rd of September 2011 the wall-mounted relief was stolen from the museum in Montreal. A few weeks later, a Roman-Egyptian marble statuette was stolen probably by the same thief. Museum, police and the assurance company made this public only some months later. They offered a sgnificant reward, and published a wanted poster as well as a sequence of their surveillance video.
    Whereas the marble is still missing today, the warrior relief was discovered in a cheap shelf between stuffed animals and plastic star wars figurines in a private apartment in Edmonton. A 33-year old man  According to Wikipedia (whose cited sources don't have this information!), the relief was visible occasionaly in a video, shoot by TC-channel CBS, who interviewed the inhabitant, a 33 year old man, who worked as a yoga teacher. Considering it was a good replica, he bought the object fo 1400$ from a friend of a friend. In fact, the value of the relief was estimated at around 1,2 Mio $, probably around the sum, which the museum got from the assurance company.

    Money, no ethics

    When the relief was returned to the museum, its board decided to keep the assurance money. They transferred the warrior to the assurance company, which offered him on the art market. In 2016 the object was at the Frieze Fairs in London priced 2,2 Mio £, offered by an art dealer, who is normally specialized in medieval art and manuscripts. However Rupert Wace declared that he bought the warrior directly from the assurance company.

    Persepolis reliefs

    Persepolis is probably the most prominent archaeological site in modern Iran. It has a very high meaning for the national identity. The reliefs date to the late 6th and 5th. c. BC. They depict warrior and guards but as well as delegates of the conquered nations.  Excavations and restoration have been conducted by German, American and Italian teams. Since 1979 Persepolis, former capital of the Achaemenid Persian Empire is part of the UNESCO world heritage.

    Even in more recent times, the Persepolis reliefs suffered from damage. There are many parts of the Persepolis reliefs in western museums in Europe and Northern America. A small number has been brought out of the country already in the 19th century before systematic excavations started. In the 1920s, the looting of the site increased. Therefore an antiquities law was enacted in 1930 prohibiting the export of archaeological finds.
    However, the looting continued and there are good reasons to suppose, that prominent archaeologists were involved. Arthur Uphan Pope, author of several volumes on Persian Art had good contacts with art dealers and there is also evidence for relations to Frederick Cleveland Morgan, who has donated the warrior relief in question to the Montreal museum. In 1934 Ernst Herzfeld, who assisted the Persian government with the creation of the Antiquities Act and was responsible for the excavations based in Chicago university, was banished from Persia. This was probably the result of intrigues, which intended to replace him by someone, who was more open for exporting artefacts. Rich financial supporters of excavations often got precious finds as presents.

    Another relief from Persepolis was offered in 1971 by Sothebys and 2005 by Christies. It has been smuggeled from Iran before the 1970 UN-convention on cultural heritage. This convention invented some rules for international trade but neglected earlier restrictions of the exporting countries. Repeated invention of even later due dates as in the German Kulturgüterschutzgesetz are an attempt to legalize even more recently looted material Therefore Iran was not successful in claiming the repatriation of the relief offered in 2005.
    In the face of the weak law enforcement, lootng is still profitable.When in 2006 a film team damaged two warrior reliefs at the site of Perspeolis by iron tools, there was soon the suspicion, that they attempted to steal the  reliefs.


    Lessons by the decapitated warrior

    The recent case is meaningful by various reasons:

    1. As it is documented, that the relief was still at the site in the early 1930s, it is clear, that it has been brought out of the country illegally.
    2. Investigation and securing concern a case going back for several decades, signalizing that export restrictions by exporting countries have to be respected by traders. The common practice of referring to the last owners is insufficient. The case has some chances to become a test case. James Ratcliffe, director of the art loss register questions whether a repatriation claim by Iran can be successful, whereas the object was publicaly displayed since the 1950s.
    3. The fact, that a simple internet research allows us to verify the original situation of the relief, demonstrates that the commitment of the art trade to carefully investigate proveniences is by far not sufficient. Especially TEFAF claims to value the legal provenience of its antiquities. Obviously their understanding of legal trade neglects the restrictions of the exporting countries, which in general go far back before the UN convention.
    4. The idea, that archaeological artefacts were better preserved in Western museums than in their countries of origin is not only colonialist, but also wrong, because their removal represents in most cases an irreparable damage to the historical contexts, which are crucial for their nature as historical data. The present case clearly demonstrates, that the art work was destroyed by the demand of western collectors for nice portable pieces. The head was cut out of the architecture by force. Furthermore the western museum was neither able to protect the relief from being stolen, nor was it interested in taking over his responsibility.
    5. The case highlights, that repatriation of finds is not the solution for the problem. The problem is the looting of the sites, which is triggered by the market demand. The problem is not the legal question of ownership, but the destruction of scientific and historical data by the removal of objects. In the present case, where a very prominent site has been looted (possibly under the cloak of restoration works), there is the extraordinary situation, that the finds have been documented, before they have been brought out of the country. Therefore in this specific case a restoration would be possible. However, it is also obvious, that the looting substantially damaged previous restoration work.
    6. Finally the case clearly contains the political message, that the USA is commited to the protection of cultural heritage - even after leaving the UNESCO. In the Trump era this is not a matter of course any more (comp. Archaeologik v. 12.10.2017). It's probably remarkable, that it is the justice making that case, which is not only in contrast to Trumpian cultural policies. Investigating in the interest of the state of Iran is also opponent to the current foreign affairs of the Trump administration, which currently puts all recent progress in good bilateral relations between US and Iran at risk.


    Bibliography

    • M. G. Majd, The great American plunder of Persia's antiquities, 1925-1941 (Lanham, Md. 2003). 
    • L. Allen, 'The Greatest Enterprise': Arthur Urphan Pope, Persepolis and Achaemenid Antiquities.  In: Y. Kadoi (ed.), Artur Upham Pope and A New Survey of Persian Art (Leiden, Boston: Brill 2016) 127-167

    This is en extended English version of the German blogpost Persischer Krieger mehrfach geklaut und jetzt beschlagnahmt. Archaeologik (2.11.2017)